Das E-Auto für Jedermann!

Am 15. Februar war es so weit: Die Gemeinde Melchnau und die Garage Küffer vermieten ein Elektroauto, welches mit Melchnauer Solarstrom fährt. Die Ladestation steht mitten im Dorf, unmittelbar neben der Remise des ehemaligen Bahnhofs.

Am Anfang des Projekts stand eine Anfrage einer Firma, welche der Gemeinde einen elektrischen Leihwagen anbot, mit samt der passenden Ladesäule. Die Kommission Versorgungswerke entschied daraufhin, mittels einer Umfrage das Bedürfnis für ein solches Angebot zu erheben. «Wir rannten keine offenen Türen ein, aber viele Rückmeldungen waren, dass Melchnauerinnen und Melchnauer mittelfristig bereit wären, Carsharing zu nutzen», erzählt die zuständige Gemeinderätin Regula Heimberg. So entschied sich die Kommission, eine Arbeitsgruppe mit der Prüfung und Umsetzung zu beauftragen.

Arbeitsgruppe, v. l. Regula Heimberg, Martin Heiniger, Thierry Küffer und Matthias Roth

Über 200km Reichweite
Eine Rückmeldung fiel besonders auf, nämlich diejenige von Thierry Küffer. Der Geschäftsführer der Melchnauer Garage Küffer vermerkte auf dem Fragebogen, dass er ein Fahrzeug zur Verfügung stellen könnte. «Seit längerem überlegten wir uns schon die Anschaffung eines e-Autos, welches wir als Ersatzfahrzeug herausgeben könnten», so Küffer gegenüber dem Unter-Emmentaler. Damit wolle er das Elektroauto unter seinen Kundinnen und Kunden beliebt machen und diese Erfahrungen sammeln lassen. So kam die Zusammenarbeit zwischen der Garage Küffer und der Gemeinde in Gang. Die Garage Küffer schaffte den elektrischen Skoca Citigo an und die Gemeinde übernahm die Installation der Ladestation und die Kosten für das Buchungs- und Verrechnungssystem «www.edrivecarsharing.ch». «Mit dem Wagen lassen sich über 200km fahren und dank der Schnellladefunktionen kann beispielsweise bei der Autobahnraststätte aufgetankt werden». Das Fahrzeug steht nun über die Plattform «www.edrivecarsharing.ch» zur öffentlichen Vermietung bereit. Wenn es frei ist, kann es durch die Garage Küffer als Ersatzwagen genutzt werden. Der Parkplatz und die Ladestation befinden sich auf dem ehemaligen Bahnhofareal, die Garage Küffer ist für die Wartung und Reinigung des e-Autos zuständig. «Dank der Zusammenarbeit kann das Fahrzeug optimal ausgelastet werden und beide Seiten profitieren», so der Gemeindeschreiber Martin Heiniger.

Zweijährige Testphase
Wer den Kleinwagen nutzen will, muss sich einmalig auf der Plattform «edrivecarsharing.ch» registrieren und kann danach in der dazugehörigen App das Fahrzeug reservieren. Zur festgelegten Zeit lässt sich das Auto mit dem Smartphone öffnen. Pro gefahrene Kilometer werden -.65 Rappen verrechnet, sowie Fr. 2.80 pro Stunde als Pauschale. Diese werden nachträglich in Rechnung gestellt und anders als bei anderen Carsharingangeboten wie bspw. Mobility wird keine Abogebühr und zusätzlichen Treibstoffkosten fällig. «In zwei Jahren werden wir Bilanz ziehen, in welchem Umfang das Angebot genutzt wird», ergänzt Heiniger.

Überschaubare Kosten
Für die Gemeinde halten sich die Kosten für das E-Drive in Grenzen: Für die Installation der Ladesäule auf dem Parkplatz rechnet die Arbeitsgruppe mit Kosten von Fr. 4’000.-. Auch die jährlichen Kosten sind überschaubar: Die Parkplatzmiete und die Kosten für die Serviceleistungen der App werden weniger als Fr. 1’000.- betragen. Mit der Innovation gewinnen also alle Beteiligten, am meisten wohl die Umwelt, die jeden Kilometer, der statt mit fossilem Treibstoff mit Sonnenenergie zurücklegt wird, dankt.

«Melchnauer Sonnenstrom»Mit dem Carsharingangebot verfolgt die Energiestadt Melchnau ihre ökologische Strategie weiter. Bereits seit 2016 wird ein Fonds mit einem Teil der Konzessionsabgaben des Stromverbrauchs geäufnet. Mit diesen Geldern unterstützt die Gemeinde den Bau von Photovoltaikanlagen zusätzlich zu den Bundessubventionen. Den so produzierten Strom, welchen die Versorgungswerke abnehmen, kann seit gut einem halben Jahr als «Melchnauer Sonnenstrom» bezogen werden. «Die Nachfrage ist noch gering, lediglich sechs Kunden beziehen zurzeit Strom von dieser Qualität», so Heimberg. Mit einem Aufpreis von 1,9 Rappen pro kWh im Vergleich zur Standartqualität «Blaustrom» (100% erneuerbare Energie, hauptsächlich aus Wasserkraft) wird die jährliche Stromrechnung nicht übermässig belastet. Ein 4-köpfiger Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4’500 kWh bezahlt lediglich Fr. 72.20 mehr, also weniger als 20 Rappen pro Tag. «Wir werden in der nächsten Zeit das Angebot stärker bewerben, um mehr Kundinnen und Kunden zu gewinnen», so Heimberg.

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