Wenn Geburt und Tod zusammenfallen; Engelsgrab Gemeinde Melchnau 1

Wenn Geburt und Tod zusammenfallen; Engelsgrab

Wenn Geburt und Tod zusammenfallen; Engelsgrab

Eine neue Grabstätte für Fehlgeburten soll bei der Verarbeitung von solchen Schicksalsschlägen helfen.

Trauer, Ohnmacht, Wut und Verletztsein… Gefühle, die oft nur schwer an die Oberfläche kommen und kaum ausgedrückt werden können. Ein früher Kindstod sprengt die normalen Lebenserfahrungen und aus der Hoffnung der Eltern wird Verzweiflung. Von diesem Gefühlschaos sind meist nicht nur die Eltern betroffen, sondern auch Geschwister, Grosseltern, Gotte und Götti und alle anderen, die freudig das Kind erwartet hatten. Juristisch gesehen gibt es die Lebendgeburt, die Totgeburt und die Fehlgeburt. Letzteres wird offiziell nirgends registriert. Es war wie nie da.

Für viele Familien ist das nur schwer zu ertragen. Das Thema «Fehlgeburt» wird immer noch vielerorts gemieden. Mit der Realisierung des Engelsgrabes auf dem Friedhof in Melchnau möchten wir genau hier eingreifen. Aus der Pfarrarbeit kam das Anliegen, dass hier eine Gedenkstätte und eine Bestattungsmöglichkeit fehlt. Vielleicht fragt sich der Leser jetzt, warum? Es gibt doch die Möglichkeit von Gräbern für Kinder? Dazu hier ein paar juristische Aspekte:

  • Laut Definition (Zivilstandverordnung Art. 9a) liegt eine Fehlgeburt vor, wenn die Geburt vor der vollendeten 22. Schwangerschaftswoche stattfindet und wenn das Kind weniger als 500 Gramm wiegt und keines der unter Lebendgeburt angeführten Zeichen (Atmung oder ein anderes Lebenszeichen ist nach dem vollständigen Austritt aus dem Mutterleib zu erkennen) vorhanden ist.
  • Ist das Kind im Mutterleib gestorben, älter als in der 22.Woche und schwerer als 500 Gramm spricht man von Totgeburt.
  • Lebend- und Totgeburten sind meldepflichtig und werden im Personenstandsregister eingetragen und begründen alle mit der Geburt verbundenen Rechte.
  • Fehlgeburten haben keine Rechte. Nicht meldepflichtige Kinder (das sind Fehlgeburten) haben juristisch gesehen kein Anrecht auf Bestattung.
  • Erst seit dem Jahr 2019 können Eltern fehlgeborener Kinder auf Wunsch eine Beurkundung mit Vor- und Nachnamen ihres Kindes auf dem Zivilstandsamt einfordern. Ein Eintrag ins Personenstandregister mit den damit verbundenen Rechten ist weiterhin nicht möglich.

Das Pfarramt, der Kirchgemeinderat und die Friedhofkommission möchten hier mithelfen ein Tabu zu brechen und sind mit der Realisierung des Engelsgrabes einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Wir danken der Kirchgemeinde Melchnau, Busswil, Gondiswil und Reisiswil ganz herzlich für die grosszügige Spende, die diese Umsetzung erst möglich gemacht hat. Ebenfalls danken wir Frau Clara Moser, sie hat uns mit dem nötigen Wissen unterstützt. Möge dieses Engelsgrab Trost, Hoffnung und Linderung schaffen in dunklen Zeiten und ein stiller Ort der Erinnerung werden.

Bei Fragen dürfen Sie sich gerne ans Pfarramt Melchnau, die Friedhofkommission oder an diverse Fachstellen (z.B. Kindsverlust.ch) wenden.

Hier finden Sie das entsprechende Merkblatt.

Die Friedhofkommission

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(Textquelle: Wenn Geburt und Tode zusammenfallen, Clara Moser, Detlef Heckling, kindsverlust.ch)

(Bild: Stefan Morgenthaler: Das Engelsgrab, ein schlichter, bepflanzter Kreis, mit Schmetterlingen dekoriert)

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